Nachlese: OurPower Online-Dialog vom 10.09.2020

Am 10. September 2020 ging unsere Veranstaltungsreihe OurPower im Online-Dialog in die zweite Runde. Diesmal hatten wir drei spannende Programmpunkte: Zuerst sprachen Ursula Seethaler und Ulfert Höhne gemeinsam über das „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“, welches mit 01.01.2021 in Kraft treten soll, und was dieses Gesetz möglicherweise für OurPower bedeuten kann. Im Anschluss sprach Ursula mit Yvonne Wittmann-Fauler von avantsmart über erste Fragestellungen, Analysen und Ergebnisse des FFG-Forschungsprojekts Digital Energy 4 All. Zum Schluss präsentierte Ursula noch unser Erzeuger*innen-Kit, mit dem es den Stromverkäufer*innen am OurPower-Marktplatz noch leichter fällt ihren Strom an Freunde und Freundinnen zu verkaufen. 

16.09.2021, Natascha Fenz

Ursula Seethaler und Ulfert Höhne im Gespräch über erneuerbare Energiegemeinschaften

Ursula: Das Thema erneuerbare Energiegemeinschaften trifft auch OurPower sehr stark, deshalb möchten wir über die Idee, die dahintersteckt sprechen. Frau Bundesministerin Leonore Gewessler hat gesagt in zwei Wochen kommt das neue Gesetz zu erneuerbaren Energiegemeinschaften. Was hat dieses Gesetz für eine Historie wieso kommt es?

Ulfert: Die Grundlage des Gesetzes ist die: Die europäische Kommission hat weitergedacht, als es die Mitgliedsstaaten bisher konnten. Deshalb gibt es die Vorgaben in mehreren Richtlinien, dass zur Erreichung der Klimaziele die Bürger*innen neue Rechte und Möglichkeiten bekommen müssen. Die Bürger*innen sollen als dritte starke Kraft in den Energiemarkt eingreifen können. Eine der Ergebnisse daraus ist, dass neue Rechtsformen geschaffen werden, nach denen jeder Bürger und jede Bürgerin aktiv Strom kaufen und verkaufen kann, aber Bürger*innen müssen auch gemeinsam Energiegemeinschaften bilden können um aktiv zu werden. Unsere Ministerin muss jetzt etwas liefern, das politisch tragfähig ist, das wird leider schon lange herausgeschoben. OurPower kann jetzt bereits anbieten, dass Bürger*innen direkt von Kraftwerken kaufen können und damit den Geldfluss so regeln, dass das Geld nicht mehr bei den Stromhändlern landet, sondern direkt bei den Erzeuger*innen.

Ursula: Das ist ja auch der Grund gewesen, warum es OurPower gibt. Wir haben das als das gegründet. Aber was war die Vision der EU? Das eine ist das Erzeugen, Kaufen und Verkaufen, aber du sprichst immer von einer aktiven Bürger*in, was bedeutet das?

Ulfert: Das Ganze ist eine mehr oder weniger trendmäßige Entwicklung. Wir haben auf der einen Seite die Notwendigkeit erneuerbare Energiequellen auszubauen. Österreich hat das Ziel bis 2030 100% Ökostrom zu erreichen. Da muss der Anteil von Photovoltaik beispielsweise verzehnfacht werden. Ein zweiter Trend ist, dass durch die Technik der Erneuerbaren eine sehr dezentrale Stromerzeugung plötzlich möglich wird – für jeden. Wir hatten noch vor wenigen Jahren eine zweistellige Anzahl von Kraftwerken in Österreich. Mittlerweile haben wir schon weit über 120.000 Photovoltaik-Anlagen, viele Windanlagen und viele Kleinwasserkraftwerke. Plötzlich wird das ungeheuer dynamisch. Der dritte Punkt ist die Digitalisierung, durch die Kommunikationstechnik, Computer und online Einkaufen, wird es für jeden einzelnen abbildbar wer von wem Strom bezieht. Es gibt vier D‘s Decarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung und Demokratisierung. Da kommt auch das Thema der Genossenschaft ins Spiel. So kommt aus vielen dieser Trends plötzlich eine Entwicklung, die der bisherigen zentralen Energiewirtschaft in die Quere kommt. Die wehrt sich natürlich entsprechend, deshalb geht das mit dem Gesetz sehr langsam. Auf der anderen Seite wissen wir, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Die Vision dahinter ist eigentlich das Bild einer Energiewirtschaft, in der ich keine großen Stromhändler mehr habe, sondern wo sehr viele kleine Anlagen auf einer regionalen persönlichen Communityebene Energie für einander produzieren. 100% dezentral, 100% erneuerbar und 100% demokratisch.

Ursula: In der Verordnung der EU ist es so, dass es zwei große Typen gibt. Es wird von Erneuerbaren Energie Gemeinschaften und BürgerInnen-Energiegemeinschaften gesprochen.

Ulfert: Das kommt aus zwei verschiedenen Gesetzesvorlagen. Inhalt ist, dass die erneuerbaren Richtlinie durchaus auf Fernwärme, Biogas und kleine Netzwerke enthält und deshalb an einer einzelnen Stelle, das Thema regional, lokal steht. Aus dem Thema erneuerbare Energierichtlinie kommt die sogenannte Erneuerbare Energiegemeinschaft, die wenn sie gemeinsam Anlagen betreibt, so gestaltet sein muss, dass die regionalen Mitglieder die Mehrheit in der Bestimmung haben. Aus dem Bereich der Stromrichtlinie kommt die Bürger-Energiegemeinschaft. Die kann österreichweit aktiv sein, da gibt es kein Nähekriterium. Ein Nähekriterium kann dann entstehen, wenn gesagt wird ich möchte über sinkende Netztarife einen Vorteil bieten. Das Thema ist ja, dass diese Strukturen entsprechend unterstützt werden sollen. Und eine Möglichkeit unter vielen ist es die Netztarife im Strombereich irgendwie zu sehen. Was wir aber im Moment aus den Gesetzesverhandlungen hören, ist das doch eher eine kleine minimale Geschichte und ein Mittel die Aktivitäten klein und regional zu halten. Unsere Idee wäre zum Beispiel die Elektrizitätsabgabe oder die Ökostromzuschläge und -pauschalen wegfallen zu lassen. Das bedeutet, das was jetzt beim Netz diskutiert wird, wäre nur eine minimale Veränderung in der Größenordnung weniger Bruchteile eines Cents. Bei der Elektrizitätsabgabe wären es hingegen 1,8 Cent pro Kilowattstunde, bei den Ökostromzuschlägen 2,5 bis 3,5 Cent pro Kilowattstunde, die wegfallen würden. Damit hätten wir die Möglichkeit regionale Wortschöpfung zu steigern. Und dadurch die Eigenversorgung am Land sichern zu können.

Ursula: Was bedeutet das neue Gesetz für OurPower konkret? Wie gehen wir damit um?

Ulfert: Es ist natürlich eine riesige Chance, die da auftritt. Dass viele Leute auf die Vorteile der Energiegemeinschaften zurückgreifen können. Wir können als OurPower auf der einen Seite das was wir jetzt machen, also dass die Leute direkt von den Kraftwerken kaufen können, genauso darstellen wie bisher, möglicherweise mit zusätzlichen Vorteilen. Auf der anderen Seite können wir aber auch hervorragend die gesamte Abwicklung und Abrechnung für regionale Communities anbieten. Das ist einer der wesentlichen Gründe, wieso wir OurPower geründet haben. Damit die kommenden Energiegemeinschaften einen Partner für die Abwicklung und die Infrastruktur haben. Eine digitale Infrastruktur für viele Communities, die gemeinsam Energie erzeugen, speichern und verbrauchen.

Ursula: Mit welchen Zeithorizonten rechnest du da? Wie schnell geht das? Es heißt das Gesetz wird am 1.1. 2021 in Kraft treten, aber was heißt das überhaupt?

Ulfert: Am 1.1. 2021 muss ein gewisses Gesetz in Kraft treten. Ich rechne aber damit, dass dieses Gesetz noch nicht wirklich das darstellt, was in der Richtlinie drinnen steht und möglicherweise eingebaute Fehler haben wird. Zum Beispiel wird oft diskutiert, dass Smart Meter ein Muss sind, um Mitglied einer Energiegemeinschaft sein zu können, obwohl die Richtlinie sagt, dass der Zugang zu Energiegemeinschaften Diskriminierungsfrei sein muss. Ich glaube, dass solche Sachen extra hinein gebaut werden, um über längere Zeit eine rechtliche Unsicherheit darzustellen. Ich glaube aber, dass dieses Gesetz laufend verbessert werden wird, genauso wie die EU laufend ihre Klimaziele anpasst. Diese Dynamik ist auch etwas, das für uns spricht. Wir als kleines neues Unternehmen mit einer sehr flexiblen Struktur in der Anpassung unseres Marktplatzes und unserer Instrumente, sind da dynamischer als die großen Energielieferanten.

Ursula: Du hast die Smart Meter angesprochen, darin liegt ja ein besonderer Vorteil von OurPower, wir brauchen sie nicht, oder?

Ulfert: Ich finde Smart Meter sind eine spannende Sache, um genauer zu wissen was verbrauche ich selber. Aber was für uns wichtig ist, ist dass es für die Darstellung und für den Stromhandel über OurPower überhaupt nicht notwendig ist, dass ich einen Smart Meter habe. Der Smart Meter ist hilfreich, um den eigenen Stromverbrauch kennenzulernen. Aber er darf keine Barriere oder Verpflichtung sein, um als Bürger*in am Strommarkt aktiv zu sein.

Ursula: Der große Vorteil ist, dass man bei OurPower jetzt direkt einsteigen kann, ohne technische Barrieren.

Ulfert: Genau, das ist der Punkt. Wir haben gesagt, dass wir keinen zusätzlichen Aufwand haben möchten, der viel Geld kostet. Die Mitgliedschaft, der Strombezug und der Stromverkauf über OurPower sind technisch barrierefrei.

Ein erster Einblick in das FFG-Forschungsprojekt „Digital Energy 4 All“

Ursula: Yvonne habe ich kennengelernt in einem FFG Forschungsprojekt, sie arbeitet bei avantsmart. Gemeinsam arbeiten wir am Projekt DigitalEnergy4All. Du bist eigentlich aus der Arbeitsorganisation und Umweltpsychologie. Was ist Umweltpsychologie?

Yvonne: Die beschäftigt sich damit wie die Umwelt auf den Menschen wirkt. Welche Faktoren wirken auf den Menschen. Zum Beispiel wie Gebäudestrukturen auf den Menschen wirken. Es ist ein sehr breites interdisziplinäres Feld.

Ursula: Dadurch bist du in die Forschungsprojekte hineingestolpert?

Yvonne: Ich bin schon in meinem Bachelor in ein Forschungsprojekt gekommen, wo es um Erneuerbare Energie ging. Also in einem ganz neuen Wohngebäude, wo unterschiedliche Generationen wohnen und mehr neue Technologien angewendet wurden und dort haben wir evaluiert. Da bin ich hineingerutscht. Mittlerweile bin ich seit 3 Jahren bei avantsmart.

Ursula: Vielleicht kannst du mir gleich sagen, was ist das besondere am Laura Bassi Projekt?

Yvonne: Es hat den Schwerpunkt, dass man schaut wie Frauen Digitalisierung gestalten können. Es ist ein sehr buntes Team mit einem hohen Frauen Anteil. Obwohl im Technikbereich meist ein sehr Männer dominierter Zugang ist. Dass man schaut, wie schaut das für Leute aus, die nicht so technikaffin sind, also nicht nur Frauen. Wie können wir Leute erreichen, die sich noch nie Gedanken gemacht haben, ob sie bei den Erneuerbaren aktiv werden können, oder nicht.

Ursula: Die Frage ist, was bedeutet es ein aktiver Bürger oder eine aktive Bürgerin zu sein?

Yvonne: Wenn man jetzt neue Personen ansprechen möchte, wie können wir das so gestalten, dass wir nicht noch mehr zusätzliche Arbeit machen? Wie können wir eine Plattform so gestalten, dass sie auch andere Komponenten beinhaltet, dass es nicht nur dabei hilft saubere Energie zu liefern, sondern auch andere Arbeit abnimmt? Im Projekt geht es darum wie kann diese digitale Plattform Chancen gerecht sein. Wir sind im Dialog darauf gekommen, es gibt die technischen Barrieren. Dass ich gewisse Technik haben muss, wie zum Beispiel eine gute Internetverbindung etc. Aber es gibt auch die Barrieren, ob ich das überhaupt verstehe, diese Sprache der Umwelttechnologie, selbst wenn sie einfach formuliert ist. Die Sprache ist oft sehr komplex. Daher stellen wir uns die Frage: Wie kann man allen Menschen einen Zugang geben? Wir haben da wirklich sehr unverblümt diskutiert und darüber gesprochen. Wie kann man eine breitere Masse erreichen? Wie schaut das aus, wenn man jemandem, den man kennt ein bisschen Strom schickt? Wie könnten Challenges von Energy Communities aussehen? Muss eine Energy Community lokal sein? Ab wann fühle ich mich einer Gemeinschaft zugehörig? Wie weit weg darf man dafür sein? Welchen Wert kann man stiften?

Anschließend präsentierte Yvonne erste Erkenntnisse ihrer Forschung. Die Präsentation ist ab Minute 00:39:00. in der Videoaufnahme zu sehen. Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich gerne unter info@ourpower.coop melden, und beim Projekt mitwirken. Weitere Informationen zum Projekt kann man hier nachlesen: https://www.avantsmart.at/news/energy-communities-akteure

Unser Erzeuger*innen-Kit für Stromverkäufer*innen

Zum Schluss stellte Ursula Seethaler unseren Erzeuger*innen-Kit vor, mit dem es den Stromverkäufer*innen unseres Marktplatzes noch einfacher gemacht wird ihren Strom an Freund*innen, Nachbar*innen, Familie und Bekannte weiterzuverkaufen. Die Präsentation startet bei Minute 00:48:00. im Video.

Aufnahme der Veranstaltung

Für alle, die die Veranstaltung verpasst haben, gibt es hier noch einmal die Möglichkeit die Aufzeichnung nachzusehen!

OurPower im Online-Dialog vom 10.09.2020
OurPower

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