Interview mit Ali vom Hinterhaus

Ali und Daniel betreiben die Seminar-Location „im Hinterhaus“ im 7. Bezirk, wo sie Räume für Seminare, Workshops und Kurse zur Verfügung stellen, und sind seit Frühjahr 2024 Stromkund:innen bei OurPower. Bei ihnen wird man mit Kipferl und Kaffee empfangen, bevor man sich auf die Couch in der geräumigen, heimelig eingerichteten Seminarwohnung setzt – in meinem Fall, um mit Ali über ihre Sichtweisen zur Arbeit mit Menschen, Gemeinschaft und Energie zu plaudern.
 
Livia Gössner, 2.April 2025
 

Livia: Du bist Unternehmerin und hast das Hinterhaus, einen Ort für Arbeiten und Begegnung, gegründet. Kannst Du mir etwas über die Gründungsgeschichte vom Hinterhaus erzählen? 

Ali: Vor über 12 Jahren habe ich die Möglichkeit bekommen, das Erdgeschoss im Haus zu einem Seminarraum umzubauen – zunächst als „Verein im Hinterhaus“, ein Verein zur soziokulturellen Begegnung. Als Verein sind wir so erfolgreich geworden, dass ich schließlich gemeinsam mit Daniel das Hinterhaus zu einer OG gemacht habe, das jetzt vor allem die Seminarwohnung, den Seminarsalon und das Co-Büro als Veranstaltungsräume zur Verfügung stellt.

Was gefällt Dir an Deiner Arbeit?

Dass unglaublich viele unterschiedliche Menschen kommen, die aber alle dasselbe wollen: irgendwie die Welt besser machen.

Du bist auch als Seminarcoach tätig. Welche Erfahrungen und Erfolge gab es im Rahmen dieser Arbeit für Dich?

Als Seminarcoach arbeite ich mit Jugendlichen – besonders gerne an Schulen, zum Beispiel mit Schulklassen, bei denen es Kommunikations- und Verständnisprobleme gibt. Im Auftrag der Lehrer mache ich Workshops zu Themen wie Rassismus, Extremismusprävention oder Kommunikationsübungen. Ich hatte immer lieber die jungen Menschen – gerne auch die „schwierigen“. Ganz besondere Erfolge fand ich immer dann, wenn ich mich irgendwo nicht ausgekannt habe. Zum Beispiel beim Herumreisen in Europa mit ganz vielen anderen Jugendcoaches, die auch ganz andere Erfahrungen gemacht hatten. Der Kern ist es, möglichst viele verschiedene Menschen mit möglichst viel Reibungsfläche zusammenzubringen – daraus zieht man die größten Gewinne.

Ihr betreibt auch einen Verein zur soziokulturellen Begegnung. Welche Veranstaltungen macht der Verein, was sind die Inhalte?

Der Verein war der Ursprung von „im Hinterhaus“. Sein Zweck ist es, Menschen zusammenzubringen, die sonst nicht zusammenkommen. Er veranstaltet zum Beispiel kleine Kochevents, Veranstaltungen für Menschen, die gerade nach Österreich gekommen sind, Yoga- und Wellnessveranstaltungen – alles, was ein Zusammenleben einer bunten Gruppe fördern kann. Es steht zum Beispiel der „Tag der Stille“ an, bei dem Menschen zum Meditieren zusammenkommen.

Was macht für Dich eine funktionierende Gemeinschaft aus?

Am wichtigsten ist das Teilen: von Ressourcen, Wissen, Ideen. Dazu gehört auch, einander und unsere Unterschiede anzuerkennen. Die Annahme, dass wir alle gleich sind, bringt uns nichts. Wir sind nur darin gleich, dass wir alle ungleich sind.

Stichwort Energiewende: Welche Rolle spielt für Dich Gemeinschaft in Bezug auf sozialen Wandel?

Ich glaube, dass es ein großes Umdenken in der Wirtschaft und in der Nutzung von Ressourcen geben muss.  Man muss offen dafür sein, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sich zu hinterfragen, sich zu öffnen – das Ziel muss sein, dass möglichst viele möglichst gut leben können.

Was könnte man noch tun, um eine Gemeinschaft zu schaffen und zu stärken, die gemeinsam für die Energiewende einsteht?

Es liegt viel an denen, die bereits aktiv sind. Viel mit Menschen reden, erzählen, was es für Ideen und Möglichkeiten gibt, um den Wandel zu leben und auszuprobieren. Ich finde es wichtig, dass man sich deklariert – der Wandel ist eine Gemeinschaftssache. Wir alle müssen die Idee vorantreiben und bewerben. Wir versuchen auch, Nachhaltigkeit und diesen Wandel zu leben – und das unseren Kund:innen mitzugeben. „Das ist einfach, das geht auch für euch.“

Welche Reaktionen bekommst Du, wenn du deinen Kund:innen von OurPower erzählst?

Wenn ich Leuten erzähle, woher wir unseren Strom beziehen, sind sie oft überrascht: „Ah, das funktioniert?“ Ich glaube, dass sich viele das gar nicht vorstellen können. Dabei ist es ganz einfach – nur eine Ummeldung, die ein Statement setzt: Weg vom Großkonzern, hin zu einem selbstorganisierten Gemeinschaftsprojekt. Und das Produkt ist dasselbe – der Strom kommt trotzdem aus der Steckdose.

Wie seid ihr zu OurPower als Energieanbieter gekommen?

OurPower kam zu uns – Ulfert und Hemma haben vor einigen Jahren einen Seminarraum gesucht. So sind wir in Kontakt gekommen und haben vom Projekt erfahren. Ich finde OurPower cool, weil es eine Genossenschaft ist und den Strom nutzt, der sowieso im Überschuss erzeugt wird – und so von vielen kleinen Stromerzeuger:innen lebt.

Ist es für Dich ein Unterschied, Teil einer Genossenschaft zu sein?

Genossenschaft war für mich früher etwas Staubiges – als Stadtkind denke ich da an ländliche Vereine, die sich einen Mähdrescher teilen. Jetzt werden Genossenschaften wieder spannend und attraktiv. Ich finde es gut, dass dieses Modell die Energiewende mitgestalten kann. Menschen können wesentlich mehr mitbestimmen – es ist eine sehr viel offenere Unternehmensform.

Zum Abschluss: Was machst Du gerne?

Ich hoste gerne Leute und beobachte, wie sie sich während unserer gemeinsamen Zeit weiterentwickeln.

Wir bedanken uns für das spannende Interview!

Werde auch Du Gestalter*in der Energiewende und Teil der OurPower Community! 

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