Nachlese zum Tag der Genossenschaften 2026
7.10.2026, Franziska Wurm
Am 25. September war das BuchQuartier in Wien bis auf den letzten Platz gefüllt. Am 25. September war das BuchQuartier in Wien bis auf den letzten Platz gefüllt. Denn wir haben mit unseren Partner:innen zum Tag der Genossenschaften eingeladen. Im Mittelpunkt stand eine Frage: Wie wird aus einer guten Idee eine Genossenschaft, die wirklich etwas bewegt?
Schon beim Ankommen war klar: Hier ist was los! Gekommen sind Gründer:innen, langjährige Mitglieder verschiedener Genossenschaften, Engagierte aus ganz unterschiedlichen Initiativen und viele Menschen, die einfach wissen wollten, wie Genossenschaft funktioniert. Diese Vielfalt hat den Nachmittag ausgemacht.
Woran haben wir gearbeitet?
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Vertreter:innen der drei Genosssenschaften OurPower, Mila und Buchquartier. Erich Fellner, Geschäftsführer des Revisionsverbandes Rückenwind, bereicherte die Veranstaltung mit einem Impulsreferat. Er hat uns durch eine kurze Geschichte der Genossenschaft begleitet, formale Unterschiede von Genossenschaften zu anderen Unternehmensformen erklärt, und betont, warum das Modell besondere Bedeutung hat.
„Viele Genossenschaften kämpfen mit ähnlichen Fragen. Beim Genossenschaftstag haben wir sie offen diskutiert und manche Probleme ganz unkonventionell gelöst.“
- Hemma Bieser, Vorständin OurPower Energiegenossenschaft
Anschließend haben wir uns in drei Gruppen geteilt, und in parallelen Workshops verschiedene Themen erarbeitet:
Workshop 1: Genossenschaft als Zugang zu selbstbestimmter, städtischer Energieversorgung (OurPower)
In dem von uns organisierten Workshop ging es um die Fragen, welche Rolle Genossenschaften für die aktive Mitgestaltung der Lebensumstände im urbanen Raum einnehmen können und was es braucht, um eine vielfältige Community aufzubauen. Dabei haben wir drei Aspekte herausgearbeitet. Der urbane Raum ist von einer Informationsflut geprägt, in der Genossenschaften durch unkonventionelle Kommunikationskanäle herausstechen können. Zentral ist die Nutzung von persönlichen Netzwerken und Multiplikator:innen, um Mitstreiter:innen zu finden. Außerdem sind besonders bei genossenschaftlich organisierter Grundversorgung Werte wie Transparenz, Vertrauen und Sicherheit essentiell.
Diese Erkenntnisse fließen direkt in unser Forschungsprojekt Sunny4Urban ein. Dort entwickeln wir mit Partner:innen Lösungen, damit auch Stadtbewohner:innen ohne eigenes Dach Teil der Energiewende werden.
Interesse an einer OurPower-Mitgliedschaft? Mehr Informationen gibt es hier.
Workshop 2: Vom Gründer:innenkreis ins Grätzl (BuchQuartier)
Im Workshop des BuchQuartiers ging es um die Fragen, vor welchen Herausforderungen Genossenschaften mit lokalem Bezug stehen und welches Potenzial sie für das Grätzl haben. Dabei wurde schnell klar: Genossenschaften sind lebendiger denn je. Sie gelten als demokratisches Zukunftsmodell und als Inkubator für partizipative Prozesse, in denen das Miteinander-Tun selbst zum Wert wird. Die Kunst liegt darin, demokratische Entscheidungsformen wie die Soziokratie mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu verbinden. Neue Mitglieder kommen vor allem über Mundpropaganda, die eigene Mitgliedercommunity und bestehende Netzwerke, etwa von Senior:innen. Auch ganz praktische Fragen wie die Zustell- und Lieferlogistik kamen auf den Tisch. Eine Idee dazu: Online bestellen und die Zustellung als freiwilligen Beitrag von Mitgliedern organisieren.
Interesse an einer BuchQuartier-Mitgliedschaft? Mehr Informationen gibt es hier.
Workshop 3: Inklusive Beteiligung und Mitgestaltung (MILA)
Im Workshop von MILA, dem Mitmach-Supermarkt, ging es um die Frage, wie Genossenschaften ihre bestehenden Mitglieder aktivieren und neue dazugewinnen können. Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen haben dazu ihre Ansätze geteilt. MILA setzt auf ein klares Modell: Jedes Mitglied übernimmt alle vier Wochen eine dreistündige Mitmachschicht. So wird Beteiligung zum selbstverständlichen Teil des Alltags. Eine andere Organisation zeigte, wie der Einstieg noch leichter gelingt, nämlich mit Stammtischen. Jede Person organisiert genau einen und lädt dazu Menschen aus ihrem Umfeld ein. Die Arbeit verteilt sich so auf viele Schultern, und es kommen laufend neue Gesichter dazu.
Interesse an einer MILA-Mitgliedschaft? Mehr Informationen gibt es hier .
Was wir mitnehmen
Wir sind mit vollen Köpfen und vielen neuen Kontakten nach Hause gegangen. Drei Gedanken begleiten uns seitdem:
- Gemeinsam geht mehr. Ob Wohnprojekt, Buchhandlung oder Energiegemeinschaft: Uns alle beschäftigen dieselben Fragen. Zeit, Ressourcen, neue Mitglieder. Zusammen fühlen sich diese Fragen gleich viel leichter an.
- Die besten Ideen entstehen im Gespräch. Nach dem offiziellen Teil hat sich der ganze Raum in kleine Gesprächsrunden verwandelt. Das war für uns das schönste Zeichen, dass der Nachmittag gelungen ist.
- Unabhängig und mittendrin. Wir wollen Energie selbst erzeugen, fair teilen und gemeinsam darüber entscheiden. Dabei setzen wir auf Solidarität, gesichertes Wissen und Vertrauen in demokratische Strukturen.
Und wie geht’s jetzt weiter?
Wir sind schon jetzt motiviert für die nächste Runde 2027. Unser Plan: ein größerer Raum, noch mehr Organisationen und mehr Formate zum Mitgestalten, etwa Arbeit in kleinen Gruppen und Infostände, an denen Du verschiedene Genossenschaften direkt kennenlernst.
Danke an alle, die dabei waren, und an unsere Mitveranstalter:innen. Ihr habt den Tag zu etwas Besonderem gemacht.
Du willst selbst mitgestalten? Werde Teil der OurPower-Community und hol Dir Strom aus Deiner Region. Oder Du willst 2027 mit Deiner Organisation dabei sein? Schreib uns an info@ourpower.coop.
Die Energiewende ist ein gemeinschaftliches Projekt.
Für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Umbau der Energieversorgung hin zu einem nachhaltigen Energiesystem brauchen wir das Engagement vieler Bürger:innen. OurPower vernetzt als Community die Stromerzeuger:innen mit den Stromkund:innen und bietet eine Plattform für alle, die die Energiewende aktiv mitgestalten wollen.
Über OurPower
OurPower wurde als eine Initiative von Bürger:innen für Bürger:innen gegründet, die den Energiemarkt durch digitale und soziale Innovation neu gestaltet. Das Mitmachen, Mitentscheiden und Mitgestalten steht dabei im Mittelpunkt. Wir setzen uns für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Erreichung der Klima- und Energieziele ein, und wir engagieren uns für eine gerechte Energiewende.
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